Praxiserfahrungen aus der Energiegenossenschaft Lippstadt
Mieterstrom - sozial, erneuerbar & günstig
erschienen im Parents-Newsletter #48 (April 2026)
Mieterstrom ist eine der konkretesten und zugleich sozial gerechtesten Möglichkeiten, die Energiewende in den Alltag zu holen. Statt abstrakter Debatten über Klimaziele wird hier direkt vor Ort gehandelt: Auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses entsteht eine Photovoltaikanlage, deren Strom genau dort verbraucht wird, wo er erzeugt wird – von den Menschen, die im Haus leben, bestätigt Anke Victor aus Lippstadt, 2. Vorsitzende der Energiegenossenschaft. Das reduziert CO2-Emissionen, vermeidet lange Transportwege und macht die Energieversorgung insgesamt effizienter und unabhängiger. Bestenfalls wird der Strom auch noch in Batterien in die Zeiten verlagert, wo es von der Sonne nichts gibt, nämlich nachts.

Gerade für Menschen, die sich für den Klimaschutz engagieren, aber nicht im Eigenheim leben, eröffnet Mieterstrom neue Handlungsspielräume. Denn lange Zeit war die Energiewende vor allem eine Angelegenheit von Hausbesitzer*innen. Mieterstrom durchbricht dieses Muster: Auch Mieter*innen können aktiv Teil der Lösung werden, indem sie sich für lokal erzeugten Solarstrom entscheiden. So wird Klimaschutz nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch sozial inklusiv.
Hier kommt die Energiegenossenschaft Lippestrom aus Lippstadt ins Spiel. Sie übernimmt eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung solcher Projekte. Als Bürgerenergiegenossenschaft bündelt sie das Engagement vieler Menschen, die gemeinsam etwas bewegen wollen. Sie plant die Anlagen, organisiert deren Finanzierung, kümmert sich um den Betrieb und sorgt dafür, dass der erzeugte Strom zuverlässig bei den Bewohner*innen ankommt. Gleichzeitig schafft sie Transparenz und Vertrauen – wichtige Voraussetzungen, damit solche Projekte vor Ort gelingen.
Ein besonders ermutigendes Beispiel: Ein erstes Mieterstromhaus wurde bereits erfolgreich durch den ersten Vorsitzenden Jan Wollesen umgesetzt. Dort zeigt sich ganz konkret, wie die Energiewende im Kleinen funktionieren kann. Die Bewohner*innen beziehen ihren Strom direkt vom eigenen Dach, profitieren von stabilen Preisen und wissen genau, wo ihre Energie herkommt. Solche Projekte sind keine Zukunftsmusik mehr – sie sind Realität. Und sie zeigen: Es geht.

Doch die Arbeit der Genossenschaft endet nicht bei der technischen Umsetzung. Ein ebenso wichtiger Teil ist die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. In Lippstadt organisiert die Genossenschaft in Zusammenarbeit mit dem Klimanetzwerk Lippstadt bereits seit 2020 sogenannte Wärme- und PV-Touren. Dabei werden interessierte Bürger*innen zu Orten geführt, an denen die Energiewende bereits sichtbar geworden ist: Häuser mit Solaranlagen, energetisch sanierte Gebäude oder innovative Versorgungslösungen wie Erdwärme und Luft-Wasser-Wärmepumpen werden gezeigt und auf Fördermöglichkeiten verwiesen.
Diese Touren haben eine klare Botschaft: Veränderung ist möglich – und sie beginnt oft im eigenen Zuhause. Wer sieht, wie andere Menschen erfolgreich erneuerbare Energien in ihre Häuser integriert haben, gewinnt Mut, selbst aktiv zu werden. Die Wärme- und PV-Touren sind damit weit mehr als Informationsveranstaltungen. Sie sind Begegnungsräume, in denen Erfahrungen geteilt, Fragen gestellt und Ideen entwickelt werden können.
Gerade in Zeiten, in denen die Klimakrise oft überwältigend erscheint, sind solche positiven Beispiele entscheidend. Sie zeigen nicht nur, was alles noch getan werden muss, sondern vor allem, was bereits gelingt. Mieterstromprojekte und Energietouren machen die Energiewende greifbar. Sie holen sie aus der abstrakten politischen Ebene in den konkreten Lebensalltag.

Für klimabewegte Menschen bedeutet das: Es gibt viele Wege, sich einzubringen. Ob durch die Unterstützung einer Energiegenossenschaft, die Teilnahme an einer Energietour oder die Initiative für ein eigenes Projekt im Wohnumfeld – jede Handlung zählt. Die Energiewende ist kein fernes Großprojekt, sondern ein gemeinschaftlicher Prozess, der vor Ort wächst.
Die Energiegenossenschaft Lippestrom zeigt eindrucksvoll, wie dieser Prozess aussehen kann: gemeinschaftlich organisiert, praktisch umgesetzt und von einer klaren Vision getragen. Mieterstrom wird so zum Symbol für eine neue Form der Energieversorgung – dezentral, demokratisch und klimafreundlich.
Am Ende steht eine einfache, aber kraftvolle Erkenntnis: Wenn Menschen sich zusammenschließen, Wissen teilen und konkrete Projekte umsetzen, kann aus der Vision einer nachhaltigen Zukunft gelebte Realität werden. Mieterstrom ist dafür ein leuchtendes Beispiel – und ein Anfang, der Schule machen kann. Weitere Infos findet ihr unter www.lippestrom.de und germanzero.de/events/436.
Anke Victor aus Lippstadt,
2. Vorsitzende der Energiegenossenschaft Lippestrom