Climate Connect
Balkonien: mit kostenlosen Modulen Strom auf dem Balkon produzieren
erschienen im Parents-Newsletter #48 (April 2026)
Am 5. Juli 2025 haben sich 750 Teilnehmende an einem Tag 1.174 kostenlose gebrauchte Solarmodule aufbereitet, um diese für ihr eigenes Balkonkraftwerk zu verwenden. Wir als gemeinnütziges ClimateHub-Netzwerk haben die Aktion mit dem Ziel umgesetzt, Menschen von der Energiewende zu begeistern, die bisher kaum davon profitiert haben. Damit haben wir den inoffiziellen Weltrekord des Vereins „balkon.solar“ aus Freiburg gebrochen, deren Aktion uns zu Balkonien inspiriert hat.
Obwohl Balkonkraftwerke in Deutschland boomen, produziert bisher nur ein kleiner Teil der Mieter*innen eigenen Strom vom Balkon. Mit der Balkonien-Aktion haben wir festgestellt: Wenn es Solarmodule kostenlos gibt, fangen plötzlich viele Menschen an, sich zum ersten Mal ernsthaft mit ihrer persönlichen Energiewende auseinanderzusetzen. Über die Teilnehmenden hinaus haben uns auch viele Menschen zurückgemeldet, dass sie sich durch die Aktion zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigt haben und sich nun ein neues Balkonkraftwerk oder sogar eine PV-Dachanlage angeschafft haben.
Und das (aktuell verschwendete) Potential ist wirklich groß: Jedes Jahr werden hunderttausende Solarmodule verschrottet – viele davon noch voll funktionsfähig. Die Module sind in der Regel von großen Anlagen, die von den Betreibern nach Ablauf der Einspeisevergütung mit neuen Modulen repowered werden. Das ist auch absolut sinnvoll, aber für Balkonkraftwerke sind diese Module noch völlig ausreichend und können in der Regel noch zehn Jahre Strom produzieren.
So geht’s: von Anmeldung über Modulaufbereitung bis Beratung
Mit dem Balkonien-Aktionstag konnten wir in den fünf ClimateHub-Städten jeweils ein kleines Energiewende-Stadtfest veranstalten. Neben der Hauptaktion gab es in verschiedenen Städten Musik, Aktionen für Kinder, Kaffee und Kuchen. Die vielen Teilnehmenden, die Solarpanels durch die Stadt tragen, haben natürlich auch bei Passant*innen Aufmerksamkeit erweckt. Die Teilnehmenden konnten sich im Voraus ihre Module reservieren und einen Zeitslot auswählen. In allen Städten hatten wir mehr Interessierte als Panels vorhanden waren. Am Aktionstag durchlief man dann mehrere Stationen, die von Ehrenamtlichen betreut wurden.

Zunächst hat man seine Panels gereinigt und wenn nötig die MC4-Stecker ausgetauscht, die die Panels mit dem Wechselrichter verbinden. Daraufhin wurden die Panels noch mal getestet, um sicherzustellen, dass sie funktionstüchtig sind. Zuletzt wurden die Teilnehmenden auf Basis eines Fotos von ihrem Balkon von kompetenten Ehrenamtlichen zur passenden Halterung beraten. Das nötige Zubehör (Wechselrichter, Halterung, Kabel) konnten die Teilnehmenden dann vergünstigt im Rahmen einer Sammelbestellung beim Balkonsolar-Startup „Panelretter“ bestellen.
Balkonien selbst umsetzen und Ausblick auf Balkonien 2026
In diesem Jahr geht Balkonien in die nächste Runde – nicht mehr als gleichzeitiger Weltrekordversuch in allen Städten, sondern als dezentrale Aktionen, die stärker auf die jeweilige lokale Situation zugeschnitten sind. Einige ClimateHubs werden die Aktion gezielt in Großwohnsiedlungen durchführen, um Menschen zu erreichen, die bisher am wenigsten von der Energiewende profitiert haben.
Gerne kann die Aktion auch in weiteren Städten nachgemacht werden. Dazu haben wir im November ein Webinar aufgenommen, das zeigt, wie eine eigene Balkonien-Aktion organisiert werden kann. Wer Interesse hat, kann außerdem Unterstützung mit Materialien, Vorlagen und einem Anmeldetool bekommen.
Wir freuen uns, auch in diesem Jahr wieder in vielen Städten die Energiewende mehr Menschen zugänglich zu machen, damit möglichst viele vom Klimaschutz profitieren. Am besten geht das von Nachbarn für Nachbarn direkt vor Ort.
Christoph Stoll, Climate Connect
Weitere Informationen: