Fortschreibung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz
Parents for Future hat Umweltminister Carsten Schneider auf seine Vorstellung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz geschrieben und Forderung zur Moorrenaturierung vorgetragen:
15.12.2025
Sehr geehrter Herr Minister Schneider,
im Zuge der überfälligen Maßnahmenvorschläge für ein neues Klimaschutzprogramm hat Ihr Umweltministerium am 29. September 2025 vorgestellt, wie das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) weiterentwickelt werden soll. Dazu haben Sie als Bundesumweltminister dem Kabinett einen „Vorschlag für den Beitrag der Natur zum Klimaschutz“ vorgelegt. Ziel sei es, in den aktuellen Haushaltsverhandlungen „den Beitrag der Natur zum Klimaschutz zukunftsfest“ zu machen.

In Ihrem Vorschlag geht es auch um Moore: Diese binden weltweit mehr Treibhausgase als alle Wälder zusammen. Trockengelegte Moore stoßen dagegen Treibhausgase aus – erst wiedervernässte Moore können CO2 binden. Die Wiedervernässung von Mooren soll darum unter anderem über eine Förderrichtlinie für die Umstellung auf "nasse Landwirtschaft" beschleunigt werden, und zwar über die Entwicklung neuer Wertschöpfungsketten für Moor-Produkte, erste Leuchtturm-Regionen, die vorangehen, und die Prüfung von Moor-Photovoltaik als weiterer alternativer Einkommensquelle.
Ihr Vorschlag sieht vor, bis 2030 jährlich 2,5 Mio t CO2-Äquivalente einzusparen. Beim Blick aufs Detail fällt jedoch insbesondere bei den Mooren, die zusammen mit dem Wald der zentrale Lebensraum zur CO2-Speicherung im Landnutzungssektor sind, ein gravierender Widerspruch zum Koalitionsvertrag auf: Statt die nationale Moorschutzstrategie wie vorgesehen zu verstetigen, werden die Ambitionen herabgesetzt. Statt 5 Millionen Tonnen Treibhausgase jährlich bis 2030 durch Moorwiedervernässungen einzusparen, sollen jetzt nur noch 2,5 Millionen Tonnen jährlich ausreichen. Das wird nicht genügen, um unsere Klimaziele zu erreichen!
Ambitionierter Moorschutz war unter der Ampel-Regierung der Hebel im ANK. Jetzt wird offensichtlich auf Waldumbau als Haupthebel gesetzt. Seit Jahren stehen minus 5 Mio. t CO2e-Emissionen bis 2030 für Moorböden im Raum. Davon rückt der neue ANK‑Entwurf ab. Ziele abschaffen oder abschwächen, das ist ein Rückschritt, der uns Zeit kostet. Moore sind unsere nassen Klimaanlagen und Wasserspeicher; ohne klare 2030‑Ziele, schnelle Genehmigungen und starke Paludikultur‑Anreize bleiben viel zu viele Chancen liegen. Diese Weiterentwicklung ist für die Moore ein Papiertiger ohne Zähne. Der Teil zum Torfabbau ist nichtssagend. Dieses Papier stellt keine positive Weiterentwicklung für unsere Moore dar.
Dabei wäre ein Ausbau des Moorschutzes so wichtig: Moore sind Klimajoker. Sie wirken nach Wiedervernässung als Kohlenstoffsenken. Moore sind riesige Schwämme in der Landschaft. Sie stabilisieren den natürlichen Wasserhaushalt, die Grundwasserneubildung und kühlen die Umgebung. Moore sind Rettungsinseln für Tiere und Pflanzen in unserer Kulturlandschaft. Sie stellen einen Rückzugsort für seltene Arten dar und fördern die Biodiversität. Gerade in Zeiten der sich ankündigenden Klimakatastrophe (siehe den Klimaaufruf von DMG und DPG) und eines erschreckenden Artensterbens kann die Rolle von Mooren gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Zu kurz kommt im Papier des Bundesumweltministeriums auch der Bausteincharakter von Moorflächen in Verbindung mit anderen Biotopen. Gewässernetze und wasserbasierte Biotope lassen sich naturgemäß besonders gut verbinden. Hier bestehen erhebliche Möglichkeiten, im Rahmen einer Renaturierung Synergieeffekte zu erzeugen.
Auch in der Öffentlichkeit wird die Fortschreibung des ANK kritisch gewürdigt: „Die geplanten Mittel sind kein reines Trostpflaster“, sagt Sven Selbert, Waldexperte beim Naturschutzbund Nabu. Immerhin seien die Pläne des Umweltministers „ein guter Schritt“ in einer Regierung, die bislang beim Klimaschutz nichts geliefert habe. Aber das ist eben noch nicht genug.
Denn: „Die Nationale Moorschutzstrategie der Ampel hatte sich zum Ziel gesetzt, jährlich 5 Millionen Tonnen Treibhausgase aus der Wiedervernässung einzusparen“, sagt Tobias Witte vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). „Der jetzige Entwurf sieht nur noch 2,5 Millionen Tonnen jährlich vor.“
Mit der Verstetigung und Fortschreibung des Aktionsprogramms bekämen Land- und Forstwirt*innen laut Deutscher Umwelthilfe endlich Planungssicherheit. Allerdings fehle es insbesondere beim Moorschutz und der Waldbewirtschaftung weiterhin an der nötigen Verbindlichkeit. Die Bundesregierung sei bereits seit einem Jahr rechtskräftig zu mehr Klimaschutz verurteilt, doch viele Maßnahmen seien in ewiger Prüfung statt in der Umsetzung. Das ist zu wenig, um den Anforderungen des Klimaschutzgesetzes zu genügen und die Ökosysteme zu retten. Die Deutsche Umwelthilfe fordert, dass die bisherige Förderung in Land- und Forstwirtschaft umgewidmet wird auf klima- und naturpositive Wirkung. “Ein jahresgebundenes Ziel zum Moorschutz sowie ein Rechtsrahmen für klimaschonende Waldbewirtschaftung gehören ebenfalls ins Klimaschutzprogramm!“
Ohne schnelles und entschlossenes Handeln trocknen die Moore immer weiter aus: Die in den letzten Jahrhunderten entstandenen Entwässerungsgräben funktionieren immer noch. Sie sorgen dafür, dass den Moorböden jeden Tag und jede Minute kostbares Wasser entzogen wird. Die Moore werden immer trockener, die Regenfälle können das nicht mehr ausgleichen, der gebundene Kohlenstoff wird freigesetzt. Daher besteht dringender Handlungsbedarf, insbesondere die Finanzierung moordienlicher Maßnahmen langfristig zu sichern.
Deshalb bitten wir Sie nachdrücklich, sich folgenden Forderungskatalog zu eigen zu machen:
- Bis 2030 sollen verbindlich jährlich wie bislang 5 Mio t CO2e-Emissionen durch Vernässung von Mooren eingespart werden.
- Das entsprechende Geld gehört langfristig in den Haushalt.
- Moorschutz muss als ein wichtiger Baustein des Schutzes von gewässerbasierten Biotopen im Gesamtzusammenhang betrachtet werden.
- Paludi-Förderung muss ausgebaut werden. Entsprechende Produkte und Flächen müssen durch die “normale” Agrarförderung berücksichtigt werden.
- Der Ausstieg aus dem Torfabbau muss rechtssicher verankert werden.
- Die Förderung der Landwirtschaft auf kohlenstoffreichen Böden muss in Richtung Klima- und Naturpositivität umgebaut werden.
- Einbeziehung der kohlenstoffreichen Böden in die Emissionsbesteuerung.
Sehr geehrter Herr Bundesumweltminister, wir wären Ihnen für eine Rückmeldung dankbar, wie Sie ambitionierten Moorschutz sichern und weiter ausbauen werden.
Mit freundlichen Grüßen
Quellen
- Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN): Ankündigung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz: Wälder, Moore und Böden sollen wieder zu Verbündeten beim Klimaschutz werden
- BMUKN Natürlicher Klimaschutz
- taz: Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz - Milliarden für feuchte Moore
- BUND Zu wenig beim Moorschutz
- DUH Ein Jahr nach Klimaurteil fehlt es noch immer an verbindlichen und konkreten Maßnahmen!
- NABU begrüßt Vorschläge zum Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz