Replik „Doch. Es gibt die Klimabewegung noch!"

Replik von Susanne, P4F Bonn, zum Spiegel-Artikel:

„Warum gibt es trotz Hitze und Dürre keinen Aufschrei für mehr Klimaschutzt?“

erschienen im Parents-Newsletter #51 (September 2026)

Im Wissenschafts-Beitrag vom 06.08.2026 analysierte Susanne Götze, warum es keinen Aufschrei gibt angesichts des Hitzesommers, der Dürre, der Toten.

„Der Sommer 2026 macht die Klimakrise so spürbar wie selten zuvor. Doch selbst die Klimabewegung hat resigniert und bereitet sich auf den »Kollaps« vor. Warum Warner selten recht bekommen, obwohl sie recht behalten.“ und

„Die Hoffnung, Menschen über die spürbaren Folgen der Klimakrise... wieder für Klimaschutz zu gewinnen, zerschlägt sich gerade. Das spüren nun auch die Aktivisten selbst: Apokalypse erzeugt offenbar keine Wut, sondern Apathie.“,

schreibt sie unter anderem. Insbesondere auf die Überschrift des Beitrags und obige Gedanken inkl. der Thematisierung einer nachlassenden Größe von FFF-Demos schrieb Susanne Walter von den P4F Bonn folgende Replik als offenen Leserbrief:

Zum Beispiel in Bonn, wo ich wohne, gibt es:

  • eine monatliche Mahnwache für Klimaschutz
  • eine Vortragsreihe (im Kult 41)
  • natürlich Demos – zuletzt eine große Demo plus Critical Mass mit vielen Hundert Teilnehmer*innen für Radwege, ÖPNV, Verkehrswende, Klimaschutz
  • die GermanZero-Gespräche mit Bundestagsabgeordneten plus großer Unterschriftenaktion
  • Proteste vor Ratssitzungen im Stadthaus
  • Gespräche mit Ratsfraktionen, Stadtwerken etc.
  • den hochgelobten Beteiligungsprozess Bonn4Future
  • das große Klimastripes-Banner im Einsatz
  • eine hier initiierte bundesweite Postkartenaktion gegen die Gaskostenfalle von Ministerin Reiche
  • Kunstaktionen, Karnevalszugteilnahme, die angedockten Gruppen JeKiFa (Jedem Kind ein Fahrrad), Baumwächter, Bürgersolarberatung und so vieles mehr

Allein in Bonn!

Es steckt das Narrativ hinter Ihrem Beitrag, dass nur Großdemos aktive Klimagruppen aufzeigen. Das versucht Luisa Neubauer aber schon länger zu erklären: Es ist längst die Veränderung zu einer Diversifizierung vor Ort erfolgt.

Dass viele Menschen die Leugner von menschengemachter Klimakrise, die Gegner von erneuerbaren Energien und Klimaschutz in Form der zerstörerischen AfD wählen wollen, dass viele Menschen Friedrich Merz gewählt haben und dass all unsere Klima-Aktionen kein Gehör finden bei CDU/CSU und SPD, bei Springer-Presse und GasÖlPestizid-Industrie – sind die Klimagruppen daran schuld?

„Wo ist FFF?“ ist mir echt zu billig!

Wer hat denn die Verantwortung? Die Klimaschutzbewegung? Die Wissenschaftler, die sich seit Jahren und massiv forciert seit Monaten den Mund fusselig reden? Alle voller Verzweiflung?

Oder doch eher die gewählten, informierten, fachlich beratenen und Amtseid-verpflichteten Politiker*innen der demokratischen Parteien???!!!! Wer??? Wer hört nicht zu? Wer will nicht? Guckt weg? Konterkariert? Lobbyiert für Gas und Kohle und sabotiert die erneuerbaren Energien? WER???

Man kann ehrenamtlich nicht mehr wegkehren, was uns die Politik im Schwall vor die Füße kotzt!!!

  • Frau Reiche!
  • Herr Merz und unser Regierungssprecher, die von „Wetter“ schwafeln!
  • Herr Klingbeil, der Gelder aus dem Klima- und Transformationsfonds zweckentfremdet!
  • Verkehrsminister, die Autobahnen neu bauen und riesige Flächen versiegeln wollen, statt erst mal ausschließlich das Desaster im Infrastrukturbestand zu sanieren!!

Herr Merz, der ansonsten zur Krise und zu 10.000 Hitzetoten SCHWEIGT!!!!! Ohrenbetäubendes Schweigen!!!!

Was bitte bleibt der Klimabewegung und FFF übrig, als zu versuchen, lethargische, wegschauende und leugnende Politiker und ebenso eingestellte große Bevölkerungsteile wenigstens dort abzuholen, wo sie jetzt selbst merken, was los ist? Bei der Hitze! Beim Wassermangel!

Zukunft statt Gas

Ach, noch was:

Wo sind jetzt die Bauern, die lautstark Herrn Habeck angepöbelt und Mist auf Straßen gekippt haben – für Dieselsubventionen! Wo sind sie jetzt, wo ihre Ernten verdorren – mangels Klimaschutz und nachhaltigerer Landwirtschaft? Wo sind jetzt die Treckerdemos in Berlin??? NICHTS!!!

Wo sind die Unternehmen, die in Nachhaltigkeit investiert haben und jetzt von der Politik veräppelt werden? Werden Sie laut und sichtbar?

Warum bitte sollen das die Fridays und die Klimabewegung denn immer noch reißen, ehrenamtlich, jung, desillusioniert, nachdem man sie jahrelang klein gemacht und angepöbelt (Lindner, Merz), ignoriert und als betroffene Folgegeneration sträflichst vernachlässigt hat?

Woher sollen sie denn noch (mehr) Energie nehmen, wenn ihnen gerade die Zukunft verbrennt???? Und sich die Politik einen Sch... um sie kümmert, obwohl sie Hunderttausende mobilisiert haben? UND RECHT HATTEN und HABEN!!!

Geht‘s noch????

Tun doch bitte Sie sich (aktiv, wie der Spiegel zum Glück beim Klimathema ist!) mit anderen Medien zusammen. Vereinbaren Sie, ALLE, ein Jahr lang auf jeder (!!) Titelseite einen großen Artikel zum Thema Klimawandel, Schäden, Möglichkeiten, Verhindertes, Neues zu bringen.

Machen Sie die bösartigen Hetzkampagnen der BILD platt oder binden Sie Springer irgendwie ein.

Machen Sie, was Sie können – gemeinsam!

Stellen Sie die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die Fakten, die massiven Gefahren für unsere Wirtschaft und die Chancen durch ein sofortiges Gegensteuern dar! Fordern Sie den Bundeskanzler auf – am besten als gemeinsame Initiative mit Macron und Sanchez –, europäischen Klimaschutz massiv zu stärken! Ab damit als Kommentare auf die Titelseiten!

Zeigen Sie unser Recht auf Klimaschutz und die Verpflichtung der Politik dazu auf!

UND ADRESSIEREN SIE BITTE DIE, DIE IN GEWÄHLTEN ÄMTERN UNSERE ZUKUNFT VOR DIE WAND FAHREN!

Statt zu lamentieren, dass die Klimabewegung resigniere.

  • Sie hat genug getan.
  • Und kämpft weiter.
  • Aber sie braucht Support statt Lamento.

Die Klimabewegung und wir alle brauchen Fakten, Konzepte und eine Vorstellung/Vision guter, nachhaltiger klimagerechter Zukunft. Gern parteiübergreifend.

Adressieren Sie bitte die Richtigen. Laut, klar und mutig.

Mit großer Sorge, Wut, Angst, Enttäuschung und Engagement grüßt

Susanne Walter,
P4F Bonn