Fachgespräch mit eins Energie zur Transformation 2045

P4F Chemnitz
P4F Chemnitz • 13 Januar 2024
0 Kommentare
Gesamtzahl der „Gefällt mir“-Stimmen 0 Gefällt mir

Nachlese Fachgespräch mit eins Energie zur Transformation 2045

Chemnitz, 10.1.2024

Am 10.1.2024 fand ein Fachgespräch von Vertretern der Chemnitzer Klimabewegung mit dem Regionalversorger eins Energie statt. Dieses Mal trafen wir uns mit leitenden Ingenieuren zum Thema "Transformation 2045 (T2045)", während es zu unserem 1. Gespräch am 9.2.2023 um Grundsätzliches ging, und Vorstandsvorsitzender sowie Stellvertreter des Aufsichtsrats anwesend waren. T2045 steht für das Erreichen der Klimaneutralität durch eins Energie - was jedoch im Widerspruch zur angestrebten Klimaneutralität der Stadt Chemnitz im Jahr 2040 steht. Dies und einiges mehr war Gegenstand des Fachgesprächs. Ein erneutes Treffen ist anvisiert, wenn der T2045-Plan konkreter ausgearbeitet wurde - die eins ist mittendrin.

Transformation 2045

Die gezeigte, aktualisierte Unterlage unterschied sich nicht wesentlich von bekanntem Material früherer, öffentlicher Veranstaltungen1. Der Versorger erarbeitet gerade das Konzept für die Transformation und befindet sich mittlerweile am Übergang von der Potential- zur Szenarioanalyse:

Potenzialanalyse heißt bspw., welche Standorte sich für Großwärmepumpen eignen, oder ob die Dichte an bestimmten Immobilien hoch genug ist (Wärmedichte), damit sich der Ausbau des Fernwärmenetzes lohnt.

Die unmittelbar bevorstehende Szenarioanalyse soll nun verschiedene, mögliche Wege aufzeigen, damit der Versorger bis 2045 klimaneutral werden kann, und wieviel das kostet.

Wir haben darauf hingewiesen, dass T2045 das Klimaneutralitätsziel der Stadt Chemnitz konterkariert, das der Stadtrat für 2040 beschlossen hat, und dem der nunmehr überarbeitete Klimaplan der Stadt Chemnitz zugrunde liegt2,3.

Daraufhin hat eins Energie angeboten, ein Szenario für die Klimaneutralität bis 2040 durchzurechnen.

Hinsichtlich Deckung möglicherweise höherer Kosten beim 2040er Szenario gegenüber dem 2045er wird darüber zu reden sein, wie die Differenz finanziert werden soll. Wir brachten eine Eigenkapitalerhöhung ins Spiel. Zu diesem Zweck müsste die Stadt Schulden aufnehmen - diese Art von Schulden sind jedoch von der Schuldenbremse ausgenommen, da den Schulden eine Kapitalerhöhung auf der anderen Seite gegenüber steht.

Weitere erörterte Themen

Den Szenarien liegen teilweise intransparente Annahmen zugrunde, bspw. hypothetisch erzielbare Preise, oder auch wieviel Wasserstoff zur Einspeisung in das regionale Gasnetz am künftigen Chemnitzer Wasserstoffknoten verfügbar ist. Für das Szenario Klimaneutralität 2040 muss der Knoten lt. eins Energie spätestens 2035 betriebsbereit sein, und ab 2032 gebaut werden.

Wir wiesen die eins Energie darauf hin, dass die Annahmen der Gaslobby4 zur Verfügbarkeit von Wasserstoff im Jahr 2045 von bis zu 2500 TWh / a viel zu hoch sind. Wissenschaftliche Studien5  zeigen, dass nur ca. 265 TWh / a - also ein Zehntel - verfügbar sein werden. Das reicht gerade so für die Industrie, bspw. Chemie- und Stahlbranche. Damit ist so gut wie kein Wasserstoff für Heiz- und Transportanwendungen nutzbar, bzw. er ist viel zu teuer.

Lt. eins Energie wird Wasserstoff für Chemnitz im Umfang von 1 TWh / a benötigt werden, u.a. fürs Heizen und zum Betrieb der Gasmotoren. Wir halten das für zu hoch gegriffen.

Die Energiewende benötigt eine verstärkte Elektrifizierung bspw. in Gestalt von Wärmepumpen zum Heizen und E-Autos zur motorisierten Individualmobilität. Eins Energie schätzt, dass künftig 3 bis 4 Mal soviel Strom benötigt wird wie heute. Hier agiert eins Energie sehr vorausschauend: bei ohnehin anstehenden Arbeiten am Netz wird die 3-fache Leitungskapazität gleich mit verlegt. Es wird angenommen, dass aufgrund eines künftigen, intelligenten Smart-Meter basierten Lastmanagements für flexibel schaltbare Verbraucher nicht die 3-fache Leistung nötig sein wird.

Wir halten die Zahl 3 für zu hoch gegriffen: Im neuesten Projektionsbericht des Umweltbundesamtes wird angenommen, dass sich die benötigte Strommenge bis 2050 gerade einmal verdoppelt17,18.

Das Gasnetz, mit dem bspw. Haushalte zum Heizen mit Erdgas versorgt werden, würde immer weniger gebraucht, je mehr auf Wärmepumpen umgestellt wird. Das bedeutet einerseits geringere Auslastung von Anlagekapital. Einem geringeren Gasverbrauch würde jedoch ein höherer Stromverbrauch gegenüberstehen - Umsatzausfälle beim Gas könnten durch Mehrumsatz beim Strom ausgeglichen werden. Hier haben wir angeregt, dass die eins für Immobilienbesitzer - analog zum Solarprodukt - ein Wärmepumpenprodukt anbietet, mit dem eine fossil- oder holzbefeuerte Altheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt wird.

Der Versorger plant Großwärmepumpen, die thermische Energie ins Fernwärmenetz einspeisen sollen. Entscheidend für die Standortwahl ist u.a. die Kapazität der dort verfügbaren Umweltwärme. Hier kommt bspw. die Kläranlage in Heinersdorf, der Chemnitzfluss und die Luft in Frage. Leider ist der staatliche Fördertopf für Großwärmepumpen begrenzt. Hier wünscht sich eins Energie Kontinuität, sonst besteht das finanzielle Risiko, dass eine Großwärmepumpe gebaut wird, aber der Fördertopf leer ist.

In der Heinersdorfer Kläranlage ist eine Klärschlammmonoverbrennung geplant, die CO2 emittiert. Wir haben angeregt, statt dessen eine Bioraffinerie9 zu bauen, die zunächst Biogas, und daraus thermische und elektrische Energie erzeugt, aber auch wertvolle Endprodukte liefert wie Bodenverbesserer. Das auch hier entstehende CO2 wird in kohlestoffhaltigen Endprodukten gebunden, etwa in Methanol, das ein synthetischer Kraftstoff ist (eFuel):

Für eins Energie ist das Neuland - entsprechende Skepsis schlug uns entgegen.

Allerdings kann die Fraunhofergesellschaft "IGB" bei Projektierung, Bau und Betrieb von Bioraffinerien fundiert unterstützen.

New York und Dänemark setzen voll auf Biogas, und die Potentiale in Deutschland sind längst nicht ausgeschöpft13,14.

Die neuen Gasmotoren des Versorgers helfen einerseits, dass weniger CO2 ausgestoßen wird: Erdgas hat eine höhere Energiedichte als Kohle, und Gasmotoren müssen nicht - wie das am 18.1.2024 außer Betrieb gehende  Kohlekraftwerk - ständig laufen. Sie kommen also mit weniger Betriebsstunden aus, ohne dass die Versorgungssicherheit gefährdet ist. Andererseits entweicht Methan bei der Erdgasförderung und beim Transport bis zum Gasmotor. Diese Verluste müssen kleiner als 3,2% sein10. Wird Erdgas durch Fracking gewonnen, gelangen aber 4% bis 9% Methan in die Atmosphäre11. Seit 2005 steigen die Methanemissionen immer schneller15, was zeitlich zusammenfällt mit dem Fracking Boom von Schiefergas in den USA16.

Gasmotoren dürfen also nur so wenig wie möglich laufen.

Das geplante Holzheizkraftwerk (HKW) in Siegmar ist noch "in der Schwebe". Was jedoch den Veröffentlichungen der eins Energie widerspricht - dort wird fest mit dem HKW geplant6: