Geplantes Holzkraftwerk in Chemnitz: Ineffizient und intransparent

P4F Chemnitz
P4F Chemnitz • 7 Juli 2020
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Geplantes Holzkraftwerk in Chemnitz: Ineffizient und intransparent

Fortsetzungen dieses Blogartikels sind: 29.10.2020 zur Holzherkunft https://parentsforfuture.de/de/node/2956, 31.10.2020 zu Holzverbrennung contra Klimawandel https://parentsforfuture.de/de/node/2959

- Eine Bewertung von Fridays und Parents for Future Chemnitz - 

Chemnitz, 8.7.2020

Im Rahmen des geplanten Braunkohleausstieges des Chemnitzer Versorgers eins Energie, der bis 2029 vollzogen wird, aber bis 2023 machbar wäre, ist die Umrüstung von 2 bestehenden kohlebefeuerten Heizkraftwerken in 2 gasbefeuerte Motorenheizkraftwerke (MHKW) ebenso vorgesehen wie die Errichtung eines neuen Holzheizkraftwerks (HHKW) im Frischlufteinzugsgebiet der Stadt. Die berechnete CO2-Einsparung beträgt in Summe 60% gegenüber der bestehenden Braunkohlefeuerung.

 

Bild eines bestehenden Biomassekraftwerks in Ramingdorf
Bild eines bestehenden Biomassekraftwerks in Ramingdorf, das mit Holz befeuert wird, und die gleiche Leistungsklasse wie das geplante Chemnitzer HHKW hat 

 

Leider sind seitens eins, noch der Stadt Chemnitz, die 25,5% der Geschäftsanteile des Versorgers besitzt, objektive Informationen für die betroffenen Bürger verfügbar.

Angesichts der herrschenden Intransparenz möchte die 4 Future Bewegung Chemnitz zur Aufklärung beitragen, verschweigen doch die offiziellen Informationen der eins Energie einen Teil der folgenden Fakten:

  • Der Bau des HHKW soll 2021 beginnen mit Inbetriebnahme 2023.1 
  • Das HHKW liegt im Frischlufteinzugsgebiet der Stadt Chemnitz - die Hauptwindrichtung in Chemnitz ist Nordwest. Durch die entstehenden Abgase wird die Stadt mit Abluft statt Frischluft versorgt.1
  • Das Grundstück des HHKW liegt direkt an der Autobahn und gegenüber einem Umspannwerk - sicherlich ein wesentlicher Entscheidungsgrund für den Standort im Frischlufteinzugsgebiet.
  • Das HHKW nutzt zwar die Energie aus dem wertvollen Naturstoff Holz mit einem Wirkungsgrad von 80%, davon werden aber nur 33% in elektrische umgewandelt, der Rest in Wärme.1 Wärme ist am effektivsten am Ort der Entstehung zu verwenden: Die Verluste des Wärmeverteilnetzes betragen 10-15 %, soll die Wärme durch die Stadt transportiert werden. Zudem besteht außerhalb der Heizsaison kaum Wärmebedarf, und ein Fernkältenetz existiert nicht, mit dem eine aus "Wärme erzeugte Kälte" verteilt werden könnte.
  • Holz ist kein CO2-neutraler Energieträger: Das bei Holzverbrennung enstehende CO2 wurde zwar während des Lebens eines Baumes der Atmosphäre entzogen. Und: Pro kWh Energie sind die CO2-Emissionen bei Biomasse wie Holz nur halb so hoch wie bei Braunkohleverfeuerung.Aber durch den LKW-Transport des benötigten Holzes wird die gleiche CO2 Menge wie bei dessen Verbrennung freigesetzt.1
  • Zudem hängen Energieausbeute und damit die CO2-Emissionen pro kWh Energie stark von der Holzqualität ab, etwa vom Wassergehalt, Kronen-/Rindenanteil, Holz mit niedrigem Brennwert wie Fichten.1 Das durch den Klimawandel entstandene Schadholz stammt meist von Fichten. Je schlechter die Holzqualität, um so höher die Emissionen.
  • Weiteres Holz soll aus Monokulturen, den Kurzumtriebsplantagen (KUP)  beschafft werden.1 Schnell wachsende Bäume als Energiepflanzen. Diese Plantagen verstoffwechseln CO2 nur halb so gut wie natürlicher Wald.
  • Zur Bekämpfung des Klimawandels braucht es möglichst große Flächen naturbelassenen Waldes. Flächen ausschließlich zur Energiegewinnung zu nutzen ist laut Umweltbundesamt die schlechteste Art der Flächennutzung, tritt sie doch in Konkurrenz mit sinnvolleren Nutzungsarten einschließlich der Nutzungsart Naturbelassenheit.3
  • Die Nutzbarkeit des regionalen Waldes in Form nachhaltiger Holzentnahme ist erschöpft,1 zudem wird der sächsische Wald seit Jahrzehnten viel zu intensiv genutzt. Auf dem Chemnitzer Carlowitzdialog am 25.6. wurde deutlich: Die sächsische Staatsregierung will von der Übernutzung des Waldes weg - eine noch intensivere Nutzung würde diesem Ziel zuwider laufen.
  • 10% des Holzes kann aus Entfernungen größer 250 km1 - also aus aller Welt - herangeschafft werden. Damit ist nicht garantierbar, dass künftig zu verbrennendes Holz in Chemnitz nicht aus der weltweit grassierenden, illegalen Abholzung stammt. In den rumänischen Karpaten wurde durch organisierte Kriminalität dem Urwald die doppelte Menge Holz entnommen als erlaubt.5 
  • Das HHKW wird zwar die gültigen Abgasgrenzwerte einhalten, dennoch beschickt es das Frischlufteinzugsgebiet der Stadt mit zusätzlichen Schadstoffen, die vorher nicht da waren: CO2, Kohlenmonoxid, Stickoxide, Feinstaub, Ruß, Cadmium, Blei. Das macht Menschen krank und kann zu Krebs führen. Insbesondere bei Verbrennung von Altholz und Holz schlechter Qualität.1 
  • Verbrennung von belastetem Altholz und Ersatzstoffen ist im Kern Müllverbrennung: Lacke auf dem Holz, enthaltene Kunststoffanteile und andere Schadstoffe im Brennmaterial sorgen für zusätzliche Schadstoffemissionen. Zudem ist die Asche von belastetem Brennmaterial Sondermüll. Asche von unbelastetem Holz kann dagegen als Dünger verwendet werden.4 Es ist nicht auszuschließen, dass im HHKW belastes Altholz und Ersatzbrennstoffe verfeuert werden.

Zusammenfassend sagen wir:

  • Holzverbrennung ist eine klimapolitische Sackgasse, sofern sie nicht nachhaltig ist
  • Ein HHKW im Frischlufteinzugsgebiet von Chemnitz gefährdet unser aller Gesundheit
  • Die geplante Chemnitzer Holzverbrennung ist nicht nachhaltig, da die Wälder der näheren Umgebung nicht die Menge Holz liefern können, die benötigt wird

 

Quellen:

Prof. Dr.-Ing. B. Keil, S. Deterling:  "Gedankenskizze zum Bau eines Holzheizkraftwerks am Standort Chemnitz – Version 2", WHZ - Westsächsische Hochschule Zwickau

2 https://de.wikipedia.org/wiki/Kraftwerk#Kohlenstoffdioxid_CO2

3 https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/bioenergie

https://de.wikipedia.org/wiki/Biomasseheizkraftwerk

5 https://www.sueddeutsche.de/politik/eu-rumaenien-umweltschutz-abholzung-1.4594519

 

 

 

 

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