Nordfriesland

Willkommen bei den Parents For Future Nordfriesland

Wir sind eine Gruppe von Eltern, Großeltern und anderen erwachsenen Menschen, die in Solidarität zur Fridays For Future Bewegung stehen. Unser Ziel ist es, die jungen Menschen in ihren Forderungen nach einer konsequenten Klima- und Umweltschutzpolitik zu unterstützen. Die Gruppe ist offen für ALLE erwachsenen Unterstützer*innen – ob sie nun selbst Kinder haben oder nicht.

Stellungnahme zu den PV-Beschlüssen der Niebüller Stadtvertretung

Auf der Sitzung der Stadtvertretung Niebüll vom 6.10.2022 wurde unter den Tagesordnungspunkten 17-19 beschlossen, dass

  • im Stadtgebiet von Niebüll keine weiteren PV-Freiflächenanlagen gebaut werden dürfen
  • auf den Dächern von öffentlichen und privaten Gebäuden an vielen innerstädtischen Straßen weiterhin keine PV-Anlagen errichtet werden dürfen
  • es keine Förderung für PV-Anlagen auf Dächern geben wird

Das ganze Protokoll kann hier nachgelesen werden:
https://amt-suedtondern.ris-portal.de/web/ratsinformation/sitzungen?sitzungId=79284&th_currentYear=2022&th_currentMonth=9&th_currentDay=6&th_viewMode=viewList&th_filterId=&th_filterMySitzungen=false&th_filterCustomEvents=true#

Die Gestaltungssatzung von 2013, deren Anpassung in obiger SItzung verhindert wurde, findet sich hier: 
https://www.niebuell.de/output/vt_stats.php?query=eyJzZWFyY2giOiJaMlZ6ZEdGc2RIVnVaM056WVhSNmRXNW4iLCJ0YXJnZXQiOiJcL21lZGlhXC9jdXN0b21cLzI0MzVfMTI3XzEuUERGPzE0MjM2NDg5ODYiLCJNb2RJRCI6NiwiVlRMYSI6MX0%3D

Was die Stadtvertretung von Niebüll dort beschlossen hat, steht in krassem Widerspruch zur Realität: Die Klimakatastrophe schreitet immer weiter fort. Wissenschaftler weltweit warnen immer eindringlicher vor den Folgen und vor Allem vor den Kipppunkten, die heute bereits erreicht werden. Aber wie ein kleines gallisches Dorf ignoriert man in Niebüll diese Fakten. Insbesondere die Begründungen der ablehnenden Fraktionen von CDU, SSW und FDP stehen im krassen Widerspruch zum aktuellen Stand der Wissenschaft. Daher haben wir diese Stellungnahme an die Stadtvertretung geschrieben:
 

Stellungnahme zur Stadtratssitzung vom 6. Oktober 2022

Sehr geehrte Damen und Herren der Stadtvertretung Niebüll, sehr geehrter Herr Bürgermeister,

mit großer Bestürzung haben wir die Niederschrift der 39. Sitzung der Stadtvertretung Niebüll vom 6. Oktober 2022 zur Kenntnis genommen.

Die Beschlüsse zu den Tagesordnungspunkten 17, 18 und 19 sind für uns nicht nachvollziehbar.

Wir werden weiter unten auf die einzelnen Punkte genauer eingehen.

Auf der aktuell in Ägypten stattfindenden Weltklimakonferenz COP27 hat UN-Generalsekretär Antonio Guterres die Situation unseres Planeten sehr klar beschrieben: „Wir sind auf dem Highway zur Klimahölle.“ Diese Einschätzung teilen wir vollkommen.
Schon heute gibt es nahezu täglich Berichte über Hungersnöte, Überflutungen, Waldbrände, Wasserknappheit, Stürme und viele andere Katastrophen. Und wir stehen bei dieser Entwicklung erst ganz am Anfang. Die Einhaltung des 1,5 Grad Ziels ist kein „Nice to have“, sondern weltweit anerkannte Grundlage, um einen Kollaps unserer Zivilisation zu vermeiden.

Hier sind Politik, Unternehmen und Bürger*innen weltweit gefordert, gemeinsam diese größte Herausforderung der Menschheit anzugehen.

Auch wir in Nordfriesland und speziell Sie als Mitglieder der Stadtvertretung der Stadt Niebüll sind hier in der Pflicht.

Kürzlich wurde das Klimaleitbild der Stadt Niebüll vorgestellt. Auch wenn hier wenig konkrete Aussagen zu finden sind, so ist es doch ein Schritt in die richtige Richtung hin zu konsequentem Klimaschutz. Da stehen Ihre Beschlüsse von eingangs genannter Sitzung im krassen Gegensatz dazu.

Nur wenn wir alle konsequent die Verbrennung fossiler Energieträger schnellstmöglich beenden und den Ausbau Erneuerbarer Energien wie Windkraft und Photovoltaik massiv vorantreiben, wird es uns gelingen, eine halbwegs lebenswerte Zukunft für die Menschheit zu erhalten.

Zu Punkt 17:

In Ihrer Abstimmung sprechen Sie sich dafür aus, keine weiteren Freiflächen PV-Anlagen auf dem Gebiet der Stadt Niebüll zuzulassen. Dieser aus dem Jahr 2018 stammende Beschluss ist heute völlig antiquiert! Wenn wir die Erneuerbaren Energien nicht weiter konsequent ausbauen, werden wir alle Klimaziele verfehlen. Die Begründung, warum dieser Beschluss hätte dringend aufgehoben werden müssen, geht aus der Antragsstellung ja bereits hervor.

Insbesondere wird vom SSW eine „Versiegelung von gutem Ackerland“ vorgebracht. Bei Freiflächensolaranlagen werden keine Flächen versiegelt. Forschungen haben ergeben, dass solche Anlagen einen positiven Einfluss auf Wildblumen und Tiere haben. Neben Schatten gegen Hitze helfen sie auch gegen die Verdunstung. Unter den Anlagen gedeihen Pflanzen genauso gut wie ohne Anlagen, aber in viel größerer Vielfalt. Zudem werden die Flächen nach Fertigstellung auch nicht mehr mit schweren Maschinen befahren. Der Begriff „Versiegelung“ ist hier falsch. Auch wird hier kein „gutes Ackerland“ zerstört. Mit etwas vorausschauender Planung würden sich Flächen anbieten, die heute für Monokulturen wie Mais genutzt werden und den Boden nachweislich schädigen. Dieser Mais wird für Biogasanlagen genutzt. Untersuchungen haben aber ergeben, dass diese Flächen bei Nutzung als Freiflächen PV-Anlagen einen bis zu 3x so hohen Stromertrag liefern wie Biogasanlagen über den Umweg der Maisnutzung. Es mag vielleicht aus ästhetischen Gründen einigen besser gefallen, Maismonokulturen als PV-Anlagen zu betrachten, der Nutzen für die Natur und den Schutz des Bodens ist auf jeden Fall bei PV-Anlagen größer als bei Monokulturen – und das Ganze auch noch pestizidfrei!

In die gleiche Richtung geht auch die Argumentation der CDU: Es herrscht Flächenknappheit. Aber wie gerade beschrieben, werden die Flächen ja nicht für die Versorgung der Menschen, sondern allein zur Energiegewinnung genutzt.

Ergänzend können Freiflächen PV-Anlagen und Ackerbau sogar kombiniert werden. Werden die Anlagen in ausreichender Höhe gebaut, kann darunter noch Ackerbau betrieben werden. Diese Doppelnutzung ist heute unseres Wissens noch nicht erlaubt, aber die Politik in Berlin ist was das angeht auf einem guten Weg, diesen Fehler zu korrigieren. Da Planungen solcher Anlagen einen gewissen Vorlauf benötigen, könnten wir doch hier auch nach vorne blicken, und im Idealfall dann einer der ersten bei der Doppelnutzung sein. Das erfordert aber mindestens eine Änderung Ihres Beschlusses.

Dass von Seiten der FDP hier eine vorherige Aussprache gewünscht wurde, mag vielleicht noch nachvollziehbar sein. Wir hatten allerdings vermutet, dass sich Entscheidungsträger in unserer heutigen Zeit und vor allem vor dem Hintergrund der explodierenden Energiekosten und –Knappheit schon mit dem Thema beschäftigt haben.

Zu Punkt 18:

In der aktuell gültigen Gestaltungssatzung der Stadt Niebüll heißt es, dass PV-Dachanlagen in diesen Straßen verboten sind: Hauptstraße, Westersteig, Gather Landstraße, Kirchenstraße, Friesische Straße, Kirchensteig.

PV-Dachanlagen gehören heute zum Stadtbild dazu. Eine hohe Zahl ist ein Zeichen einer modernen Stadt. Initiativen wie zum Beispiel der Wattbewerb zeigen, dass PV-Anlagen auch ein Aushängeschild einer Stadt oder Gemeinde sein können. Und mal ganz ehrlich gesprochen: Die Gather Landstraße kann durch PV-Anlagen auf den Dächern doch nicht in ihrer Erscheinung verschlechtert werden. Wer geht denn durch die Stadt und schaut sich Dächer an? Wer mit dem Auto unterwegs ist, sowieso nicht. Abgesehen davon nehmen Sie Anwohnern mit Ihrer Entscheidung die Möglichkeit, selber Strom zu erzeugen. Immer mehr Menschen können sich Energie gar nicht mehr leisten. Statt dies zu fördern – siehe auch den nächsten Tagesordnungspunkt – zwingen Sie Bürgerinnen und Bürger, weiter überteuerten Strom einzukaufen.

Der Aspekt Denkmalschutz wurde durch das Osterpaket der Bundesregierung weitgehend relativiert. Dort heißt es: „Die Errichtung und der Betrieb von Anlagen sowie den dazugehörigen Nebenanlagen liegen im überragenden öffentlichen Interesse und dienen der öffentlichen Sicherheit.“ Insbesondere wird dort auch darauf hingewiesen, dass Denkmalschutz nicht grundsätzlich vor Klimaschutz geht. Damit ist die Errichtung auf denkmalgeschützten Gebäuden kein Tabu-Thema mehr. Gerade ältere Gebäude haben ja auch auf Grund der geringeren Isolierung einen erhöhten Energiebedarf, den Dach-PV sehr gut unterstützen kann.

Zu Punkt 19:

Die Förderung von PV-Anlagen halten wir für einen sehr wichtigen Aspekt bei der Betrachtung der Energiewende. Auch wenn die Preise für PV-Anlagen kontinuierlich sinken – hier ist die Aussage des SSW völlig falsch, dass sich die Preise verdreifacht haben! –, können sich viele Eigentümer die Investitionskosten nicht leisten. Eine Förderung hilft und motiviert hier. Das Geld ist besser angelegt, als in ein paar Jahren die Folgen des Klimawandels zu bekämpfen. Gerade wenn die Strompreise weiter steigen, amortisieren sich PV-Anlagen durch den Eigenverbrauch doch immer schneller. Die Aussage des SSW war hier doch eher irreführend.

Was absolut falsch ist, ist die Behauptung, dass Erneuerbare Energien den Strompreis hochgetrieben haben! Dies ist eine typische Lobbyaussage der Fossilen Industrie. Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, wird der Strompreis in Europa durch das Merit-Order-Prinzip bestimmt: Der teuerste Anbieter bestimmt den Strompreis an der Strombörse für alle angebotenen Energien! Und das sind heute nun mal Gaskraftwerke, gefolgt von Kohl- und Atomstrom. Windkraft und PV sind inzwischen die günstigsten Arten, Strom zu erzeugen. Hätten wir nur noch Erneuerbare Energien, würde der Strompreis deutlich niedriger liegen. Dass durch die hohen Strompreise auch Windkraftbetreiber profitieren, treibt den Preis ja nicht hoch. Da ist die Bundesregierung ja auch dran, Gaskraftwerke eventuell aus dem Merit-Order-System herauszunehmen, was die Preise dann automatisch senken würde. Die Erneuerbaren hier als Preistreiber darzustellen gehört ins Reich der Märchen.

 

Da der Punkt „Wir haben schon mehr Strom als wir brauchen“ alle drei angesprochenen Tagesordnungspunkte betrifft, wollen wir hier noch mal explizit darauf eingehen: Betrachtet man nur die Stromerzeugung und den reinen Stromverbrauch, so mag sich hier heute ein Überschuss ergeben. Uns liegen dazu leider keine konkreten Zahlen vor. Wir bezweifeln, dass diese Zahlen bei der Stadtratssitzung vorgelegen haben. Die Energiewende muss sektorübergreifend erfolgen. Wo heute noch Gas und Öl verbrannt werden, werden Morgen Wärmepumpen Wärme erzeugen. Wo heute noch Benzin- und Dieselautos fahren, werden Morgen nur noch Elektrofahrzeuge fahren. Die Welt wird elektrisch! Im Rahmen des VHS-Kurses „Klimafit“ hatten wir Felix Oßwald – Klimaschutzmanager Nordfriesland – gefragt, wie hoch denn der künftige Strombedarf in Nordfriesland sein wird. Ihm lagen dazu keinerlei Zahlen vor. Auch Niebüll wird in Zukunft sehr viel mehr Strom benötigen als heute - wie viel mehr genau müsste mal genau ausgerechnet werden, um eine Aussage wie „Wir haben mehr als wir brauchen“ zu verifizieren. Werden heute die Weichen falsch gestellt, bremst das die Energiewende aus, sorgt für fehlenden Strom in der Zukunft und beschleunigt unsere Highwayfahrt in die Klimahölle.

Uns ist bewusst, dass viele Zusammenhänge kompliziert sind und nicht jede*r alle Details kennen kann. Die Anträge bei der Stadtratssitzung mögen vielleicht etwas kurzfristig gewesen sein, um sich detailliert darauf vorzubereiten. Das Echo in der Presse, von Naturschutzorganisationen wie dem BUND und anderen hat Ihnen sicherlich gezeigt, dass Ihre Entscheidungen eher auf Unverständnis gestoßen sind.

Neben unserem Anliegen, Ihnen zu diesen Punkten unsere Sicht mitzuteilen, bitten wir Sie im Interesse aller hier in unserem schönen Nordfriesland lebenden Menschen aber auch im Interesse einer intakten Natur, Ihre Beschlüsse noch einmal zu überdenken. Es ist kein Zeichen von Schwäche, eine vielleicht auf nicht ausreichender Datenbasis falsche Entscheidung zu korrigieren. Es ist eher ein Zeichen von Stärke und Weitsicht, unsere Entscheidungen im Hinblick auf den Klimakollaps stets aufs Neue zu überdenken und unser Handeln anzupassen.

Ihre Beschlüsse sind ja nicht auf Jahre festgelegt. Sie haben jeder Zeit die Möglichkeit, sie neu zu bewerten, zu besprechen und dann hoffentlich in unserem gemeinsamen Interesse anders zu beschließen.

Gerne stehen wir Ihnen im Rahmen unserer Möglichkeiten auch immer für einen Austausch zur Verfügung.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Im Namen von Parents For Future Nordfriesland

 

Songtext zu Bella Ciao

We need to wake up . . . we need to wise up,
we need to open our eyes and do it now, now, now.
We need to build . . . a better future
and we need to start right now.

We’re on a planet . . . that has a problem
we’ve got to solve it, get involved and do it now, now, now.
We need to build . . . a better future
and we need to start right now.

Make it greener . . . make it cleaner
make it last, make it fast and do it now, now, now.
We need to build . . . a better future
and we need to start right now.

No point in waiting . . . or hesitating
we must get wise, take no more lies and do it now, now, now.
We need to build . . . a better future
and we need to start right now.

 

 

 

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Peace-Zeichen in Niebüü

Die Parents For Future Nordfriesland haben am 25.3.2022 mit einer Klima- und Friedensdemo auf dem Rathausplatz in Niebüll am 10. Globalen Klimastreik von Fridays For Future teilgenommen. Im Schatten des kürzlich erschienen 6. Sachstandsberichts des IPCC und dem Krieg in der Ukraine wurde das 2-stündige Programm geprägt von Reden von Holger Heinke (Stadtmarketing Niebüll), Carl-Heinz Christiansen (BUND), Werner Schweizer (Bürgermeister Klixbüll), Mai-Britt Gottburg (FFF), Dr. Wolfgang Sappert (Amt Südtondern) und Dieter Pape (P4F NF). Zur Melodie von Bella Ciao wurde wieder lautstark "We need to build a better future" gesungen. Zwischen den Beiträgen sorgten Musik und kostenlose Getränke für Abwechslung. Mit einem aus den Teilnehmenden gebildeten Friedeszeichen wurde ein deutliches Zeichen gegen den Krieg und für Frieden überall auf der Welt gesetzt.
Bei sonnigem Wetter haben ca. 120 Menschen aus der Region teilgenommen und ihre Entschlossenheit gezeigt, sich gegen den Klimawandel zu stellen und mehr Engagement von der Politik zu fordern.