Elternschaft in Zeiten der Klimakrise

Crowdfunding einer P4F-Aktiven für ihr neues Buch

Elternschaft in Zeiten der Klimakrise

erschienen im Parents-Newsletter #49 (Juni 2026)

„Wir haben heute ‚Feuer, Wasser, Sturm‘ gespielt“, erzählte mir meine Tochter beiläufig, als ich sie neulich von der Schule abholte. Mir lief es bei diesem Satz kurz kalt den Rücken runter, dabei hatte ich dieses Spiel selbst gerne in meiner Grundschulzeit gespielt. Jetzt fragte ich mich, ob es noch ein geeignetes Kinderspiel ist, wenn Kinder Schutz vor imaginären Flammen, Stürmen oder Wassermassen suchen müssen; etwas, was höchstwahrscheinlich zu einer bitteren Realität im Laufe ihres Lebens wird. Wieder einmal wurde mir in einer alltäglichen Situation die Sorge um das weitere Leben meiner Kinder bewusst.

Klimaschutz ist KinderschutzWir Eltern sind in doppelter Hinsicht von der Klimakrise betroffen – unsere Sorge um unsere Kinder ist dabei oft größer als die Sorge um unsere eigene Zukunft. Doch in dem öffentlichen Diskurs dominieren diese elterlichen Sorgen nicht. Stattdessen stehen stets diejenigen im Fokus, die sich überfordert von Klimaschutzmaßnahmen fühlen. Schnell entsteht so der Eindruck, ganz Deutschland sei ein Hort von Transformationsverweigerern, denen man nicht zu viel zumuten darf, sonst laufen sie scharenweise zu den Populisten über. Man praktiziert Kuschel-Pädagogik für die verängstigten Seelen und verkennt dabei, dass Menschen umso furchtsamer werden, je weniger man ihnen abverlangt.

Viele Eltern, die sich konsequenten Klimaschutz wünschen, spüren mittlerweile ein Gefühl der Ohnmacht. Zu groß scheinen die Herausforderungen, zu stark der Einfluss der fossilen Lobby. Zugegeben: Unser Einfluss auf die Entwicklung der Klimakrise ist nicht so groß, wie wir ihn uns wünschen. Was aber in unserer Hand liegt: Wie wir als Eltern mit unseren Kindern über die Klimakrise sprechen und welche Werte wir an sie weitergeben. Eine Studie zeigte, dass es vor allem die elterliche Unterstützung ist, die Kindern mit Klimaängsten hilft. Oftmals vermitteln wir unseren Kindern genau die Eigenschaften, die es gesamtgesellschaftlich braucht, um die Klimakrise einzudämmen. Empathie, Solidarität und Kooperationsbereitschaft sind die Grundvoraussetzungen für gelingenden Klimaschutz.

Und: Elternbewegungen können sozialen Wandel herbeiführen. Dies zeigen die Parents for Future und vor ihnen schon viele andere: egal, ob im Kampf für mehr Klimaschutz, gegen die Atomenergie oder die Luftverschmutzung – wenn Eltern aus der privaten Sphäre in den politischen Raum treten, dann erreichen sie viel. Sie leisten Aufklärungsarbeit und nehmen Einfluss auf die Gesetzgebung. Gerade bei stark polarisierenden Themen, zu denen Klimaschutz mittlerweile gehört, kann Elternschaft als Brücke dienen: Denn egal, welcher politischen Richtung Eltern angehören, fast alle wünschen sich, dass ihre Kinder in einer friedlichen Welt ohne Klimakatastrophen aufwachsen. Und last but not least: Es braucht starke Elterngemeinschaften, um zukünftige Klimakatastrophen solidarisch zu meistern.

 

Petra NielsenPetra Nielsen ist Pädagogin und engagiert sich seit 2019 bei den Parents for Future in Berlin. Der Text ist ihrem Buch „Klimaschutz ist Kinderschutz“ entnommen, für das derzeit eine Crowdfunding- Kampagne bei dem oekom-Verlag läuft. Jede Vorbestellung oder Spende hilft, dass das Buch im November erscheint.

Zur Seite beim oekom-Verlag: Klimaschutz ist Kinderschutz