Es brennt

„Das ist erst der Anfang": Zehntausende bilden Menschenketten in über 100 Städten

Am Tag der Deutschen Einheit standen Menschen in ganz Deutschland schweigend Hand in Hand – und hielten im Anschluss ein weißes Blatt Papier in die Höhe, als Symbol dafür, dass es einen politischen Neubeginn braucht. Das Bündnis „es brennt" aus 120 Organisationen zieht nach nur zwei Monaten Vorbereitung eine überwältigende Bilanz.

Es brennt 03.10.2026Berlin, 3. Oktober 2026 – Weit über 20.000 Menschen haben sich heute an den Menschenketten des Bündnisses „es brennt" beteiligt. In über 100 Städten reihten sie sich um 12 Uhr ein – und bildeten so eine Menschenkette von über 25 Kilometern.

Im baden-württembergische Todtmoos-Rütte, einem Ort mit 70 Einwohnern, umfasste die Menschenkette fast die Hälfte des Dorfs: 28 Menschen und dazu drei Hunde. In Karlsruhe trafen sich so viele Menschen vor dem Bundesverfassungsgericht, dass die Kette fast zwei Kilometer weit reichte.

Der Ablauf war überall derselbe: Zehn Minuten standen die Teilnehmenden schweigend nebeneinander. Dann hielten sie fünf Minuten lang ein weißes Blatt Papier in die Höhe – als Zeichen dafür, dass es einen politischen Neuanfang braucht.

„Wir sind heute bei der Menschenkette so viele mehr, als wir gehofft haben, und jetzt geht es weiter", sagt Maiken Winter, Mitinitiatorin der Aktion und Vorsitzende von WissenLeben e. V. „Das ist erst der Anfang."

Menschenketten Es Brennt 03.10.2026 Dortmund
Dortmund mit ca. 250 Teilnehmenden

Von der Idee zur bundesweiten Aktion in zwei Monaten

Entstanden ist die Menschenkette in einer Signalgruppe engagierter Menschen – binnen weniger Wochen wuchs daraus ein Bündnis von 120 Organisationen, unter anderem der Deutschen Umwelthilfe, dem NABU, dem BUND Naturschutz, dem Deutschen Tierschutzbund, terre des hommes, sowie Kirchengemeinden, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und vielen lokalen Klima- und Demokratiebündnissen.

„In zwei Monaten von nichts auf so etwas gestemmt – wo man denkt, das geht eh nicht, und dann schafft man es", sagt Winter. „Wie lange habe ich diese Idee selbst mit mir herumgeschleppt und gesagt: Das geht nicht. Wie viele Menschen denken sich wohl, das wäre doch schön, wenn so etwas passiert. Aber wenn man daran glaubt – wenn wir alle viel mehr an unsere Träume glauben, dann können wir sie auch in die Welt bringen. Es ist total überwältigend, was wir machen können, wenn wir einfach loslegen."

Teilnehmende Städte waren unter anderem Darmstadt, Saarbrücken, Düsseldorf, Hamburg, Tübingen, Greifswald, Hoyerswerda, München und Berlin.

Der Ruf nach einem Neuanfang

Das Bündnis versteht die Menschenketten ausdrücklich nicht als reine Klimademonstration, sondern als Ruf nach einem gesellschaftlichen und politischen Neuanfang. Hintergrund ist die Zuspitzung gleich mehrerer Krisen: In Deutschland starben in diesem Sommer über 15.000 Menschen infolge der Hitze, hinzu kamen Überschwemmungen und anhaltende Brände. Parallel dazu eskaliert die Ungerechtigkeit – seit 2020 ist das globale Vermögen der Milliardäre um 80 Prozent gestiegen, während alle 13 Sekunden ein Kind an Hunger stirbt. Rechtsruck und KI verschlimmern die Krisen.

Gleichzeitig, so das Bündnis, tue die Politik zu wenig, und die Demokratie sei von Lobbygruppen dominiert. Aus Frust darüber wendeten sich viele Menschen der AfD zu – was Demokratie, Frieden und Freiheit gefährde.

“Was die Menschenketten gezeigt haben: Das ein politischer Neubeginn nicht nur nötig, sondern auch möglich ist. Jetzt geht es weiter!”, sagt Maiken Winter.

Über „es brennt"

„es brennt" ist eine überparteiliche Initiative engagierter Menschen aus unterschiedlichen Organisationen, unter anderem GermanZero, BUND Naturschutz und WissenLeben e. V. Entstanden ist die Idee in der Signalgruppe „Gemeinsam Zukunft Gestalten". Ziel ist es, Menschen, die sich Sorgen machen, aber bisher nicht aktiv waren, Mut zum gemeinsamen Aufstehen zu geben – und denjenigen, die resigniert haben, wieder Zuversicht zu vermitteln.

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