Kommunale Wärmeplanung (KWP) Chemnitz
+++ Update 27./31.05.2025
Am 27.05.2026 hat der Chemnitzer Stadtrat die Kommunale Wärmeplanung in der Version 1.0 vom 5.3.2026 angenommen, Beschlussvorlage B-069/2026. Der Antrag der Partei Die Linke fand leider keine Mehrheit, vom unrealistischen Szenario "Wasserstoffhochlauf" Abstand zu nehmen und auf das alternative, realistische Szenario "Wärmepumpenhochlauf" zu setzen.
In einer Pressemitteilung vom 27.05.2026 hat das Klimabündnis Chemnitz ein weiteres Mal davor gewarnt, bei der Kommunalen Wärmeplanung auf den Wasserstoffhochlauf zu fokussieren und damit die Menschen auf einen unrealistischen Weg beim Heizen zu schicken. Bereits am 19.12.2025 hatte der MDR über das mangelnde Realitätsgespür in Chemnitz berichtet - das Umweltamt folgte einem Vorschlag des Lokalversorgers eins Energie.
Mit dem vom Verein für Nachhaltige Energieversorgungstechnik an der TU Chemnitz und uns bemängelten, zentralen Rechenfehler hat die Freie Presse die eins Energie Tochter inetz und das Umweltamt konfrontiert: Letzteres wiegelt ab, der Fehler befinde sich doch nur im Anhang der Wärmeplanung, und inetz fühle sich missverstanden, weil ihr unrealistischer Preiskorridor von "11 bis über 20 ct / kWh Wasserstoff" das Wort "über" enthalte, was auch weit höhere Wasserstoffpreise einschlösse. In ihrem Anhang des Wärmeplans bezeichnet die inetz ihren nicht rechenfähigen Preiskorridor - Stichwort "über" - als "transparent abgebildete Unsicherheit" und "fundierte Entscheidungsgrundlage". Da man mit "über" keine belastbaren Vergleiche rechnen kann entsteht der Anschein von Fundiertheit natürlich dadurch, dass inetz in ihrem Dokument die 20 ct wie eine Preisobergrenze benutzt, wenn sie Heizen mit Wasserstoff gegen Heizen mit anderen Energieträgern antreten lässt. Der Wasserstoff erscheint so als Wirtschaftlichkeitssieger, womit der unrealistische Wasserstoff als realistische Option präsentiert wird. Was den Verbraucher in die Irre leitet. Und das nicht nur beim Energieträger, sondern auch bei der angeblich zukunftsfähigen Gasheizung mit H2-Ready Label auf dem Markt: Diese vertragen eine maximale Wasserstoff-Beimischung im Gas von 20%. Im Wärmeplan wird aber nach dem Motto argumentiert: Kauft H2-Ready, dann seid ihr auf der sicheren Seite.
Im Abwägungsprotokoll des Wärmeplans befinden sich alle Eingaben der Stadtgesellschaft zu dem Werk und diverse Begründungen seitens Umweltamt.
Warum es dennoch sinnvoll war, den Wärmeplan zu verabschieden hat ein sächsischer Politiker von Bündnis 90 / Die Grünen herausgearbeitet. Er betont aber, dass der Plan das Gegenteil von seinem Anspruch ist, Orientierung zu geben, auch aufgrund unrealistischer Berechnungen. Er fordert Hausbesitzer*innen und Wohnungsgesellschaften auf, nicht auf die Politik oder Wärmepläne zu warten, ob Wasserstoff hochläuft oder nicht, sondern unabhängig davon das Richtige zu tun: Weg von beständig teurer werdenden fossilen Energieträgern, die uns abhängig machen von autokratischer Willkür, fragilen Lieferketten, und die den Planeten aufheizen.
Was wichtig ist zu wissen, wenn man vom Wärmeplan redet: Er ist ein strategisches Papier städtischer Planung, und kein Vorschriftenwerk, welches Haus wie zu heizen ist. Hauseigentümer*innen können - mit oder ohne Wärmeplan - aus allen am Markt verfügbaren Heiztechnologien wählen. Und natürlich zählen da auch Holzwege, Preisfallen und Autokratenabhängigkeit dazu.
+++ Update 13.04.2026
Im Vorfeld der Veranstaltung Raus aus der Gaskostenfalle am 15.4.2026 hat das Klimabündnis Chemnitz am 13.4. die Stadträt*Innen angeschrieben, der endgültigen Chemnitzer Kommunalen Wärmeplanung Version 1.0 vom 5.3.2026 (sog. "Schlussbericht", der eine "Öffentlichkeitsbeteiligung" durchlaufen hat) nicht zuzustimmen. Sondern eine Alternative zu fordern: Weg von der überteuerten Wasserstoffplanung hin zur zukunftssicheren und im Vergleich viel günstigeren Wärmepumpe.
Wie bereits im Update dieses Blogbeitrages am 22.02.2026 berichtet, rechnet zudem die inetz den Wasserstoffpreis massiv schön, in dem sie eine Fraunhofer Studie, mit der sie ihre Zahlen zum Wasserstoffpreis zu belegen sucht, bewußt falsch interpretiert. Der Hinweis auf die inetz-Falschberechnung ging dem Umweltamt im Zuge der sog. "Öffentlichkeitsbeteiligung" zu - eine Korrektur der endgültigen Wärmeplanung haben wir nicht entdeckt. Die wäre auch nicht einfach möglich, weil bei korrekter Preisannahme das Wasserstoff-Kartenhaus in sich zusammenfällt - selbst dann, wenn Reiches neues Heizgesetz und ihre "Grüngasquote" in Kraft treten sollte.
Kurzum: Als Parents for Future müssen wir leider feststellen, dass die Wärmeplanung der Stadt an Betrug grenzt, bzw. bewusste Irreführung ist.
+++ Update 22.02.2026
Es ist davon auszugehen, dass in der Chemnitzer KWP die Preise fürs Heizen mit Wasserstoff bewusst zu niedrig angesetzt wurden, in dem man Preisbestandteile einfach wegließ.
Wir zitieren hier aus einer Expertise vom 20.02.2026, die dem Umweltamt als Stellungnahme zuging:
" Die Anlage [4, red. Anmerkung] nennt für das Zieljahr 2045 einen möglichen Haushaltskunden- Preiskorridor von etwa 11…20 ct/kWh für durch Wasserstoffverbrennung erzeugte Wärme und leitet daraus eine potenziell günstigere Wärmeversorgung gegenüber Wärmepumpen und Wärmenetzen ab ....
.... Die im Wärmeplan zitierte Untersuchung des Fraunhofer ISI wurde in der Anlage 4 inhaltlich falsch wiedergegeben. Tatsächlich weist die Studie für das Zieljahr 2045 Großhandelspreise in einer Größenordnung von etwa 5…18 ct/kWh für 2045 aus, nicht jedoch Haushalts- bzw. Endkundenpreise.
Die ausgewiesenen Preise beinhalten somit keine
- Transportkosten,
- Speicher- und Infrastrukturkosten,
- Steuern, Abgaben und Umlagen.
Unter Berücksichtigung dieser zusätzlichen Kosten ist davon auszugehen, dass reale Haushaltspreise deutlich oberhalb der im Wärmeplan angesetzten Werte liegen. Zudem zeigt die gleiche Studie, dass Wasserstoff selbst bei sehr niedrigen Großhandelspreisen nur einen marginalen Beitrag zur Gebäudeheizung leisten würde. "
Aus Sicht Parents for Future wurden weitere Preisbestandteile ignoriert:
- Deckungsbeitrag zum operativen Geschäft
- Marge gegenüber dem Endkunden
Oder kurz gesagt: Die im Wärmeplan angenommenen 11 - 20 ct/kWh fürs Wasserstoffheizen, bzw. die 5 - 18 ct/kWh Wasserstoffgroßhandelspreis in der Fraunhoferstudie muss man mindestens verdoppeln, um zu einer realistischen Preisannahme zu gelangen.
+++ Update 18.02.2026
Wir haben Stadträte und andere Akteure aufgefordert, bis zum Ende des öffentlichen Beteiligungsverfahrens am 22.02.2026 gegen die Ausweisung von Wasserstoffprüfgebieten Einspruch zu einzulegen. Stadträte sollen den Plan ablehnen, wenn die KWP-Version, die dem Gremium im Laufe des Jahres vorgelegt werden wird, diese Gebiete noch enthalten. OB Sven Schulze haben wir ebenfalls in Kenntnis gesetzt.
+++ Update 16.02.2026
Nach dem KWP-Eklat am 10.12.2025, bei dem der "AEUS"-Ausschuss von Stadt und Stadtrat die für den 11.12.2025 öffentliche Infoveranstaltung platzen ließ, liegt nun der überarbeitete Entwurf der Chemnitzer KWP vom 21.01.2026 öffentlich aus: Bürger können bis 22.02.2026 Einwände, Anmerkungen etc. einbringen. Am 14.01.2026 beschloss der Ausschuss, dass die Überarbeitung der Öffentlichkeit zugeleitet werden kann. In einer Beratung am 08.01.2026 einigte man sich auf Vorgaben zur Überarbeitung des ursprünglichen Wärmeplans vom 11.11.2025, zu denen auch das Klimabündnis Chemnitz Hinweise gab. Schlussendlich fand die öffentliche Infoveranstaltung am 29.01.2026 statt.
Den Bürgern, die sich mit der Materie nicht so auskennen, eine Orientierung zu geben, wie sie künftig heizen können: Diesen Anspruch formuliert die Stadt selbst an die KWP. Weshalb die in den Wasserstoffprüfgebieten nun zusätzliche erwähnte Heizbarkeit mit erneuerbaren Energien (sog. "EE-Heizungen", bspw. Wärmepumpen) gut ist. Andererseits suggeriert die Ausweisung von Wasserstoffprüfgebieten - also da wo schon das Gasnetz liegt, aber nie Fernwärme ausgebaut wird - den Bürgern, dort könne man ewig mit Gaskessel und Gastherme weiterheizen: Heute noch mit Erdgas, morgen mit grünem Wasserstoff, und Hauptsache das Gerät ist "H2-ready". Das ist jedoch definitiv nicht so: Dem Erdgas für H2-ready-Gasthermen können maximal 20% Wasserstoff beigemischt werden. Außerdem: Weiter Heizgase zu verbrennen ist nicht möglich. Einmal aufgrund der CO2-Bepreisung, die Erdgas immer teurer macht. Zum Anderen belegen alle seriösen wissenschaftlichen Untersuchungen, dass grüner Wasserstoff nie in der Menge und zu den Kosten verfügbar sein wird, um damit bezahlbar zu heizen. Drittens erfordert die Eindämmung der sich verschärfenden Klimakrise den Schlussstrich unter Treibhausgas erzeugende Verbrennung mit fossilen Energieträgern wie Erdgas.
In Zusammenschau der Faktenlage bis hierher hat das Klimabündnis Chemnitz am 12.02.2026 ein erweitertes Statement in den bis 22.02.2026 laufenden Beteiligungsprozess der Öffentlichkeit zur KWP eingebracht, das auch die bisherige Debatte noch einmal in fachlicher Hinsicht zusammenfasst und eindringlich auffordert, den Unsinn, Wasserstoff als Heizgas zu verkaufen, endlich zu beenden.
+++ Update 10./23.12.2025
Inzwischen hat Greenpeace einen Brief an den OB verfasst, der unten in den Unterlagen aufgeführt und am Blog als PDF angehängt ist.
Zum Chemnitzer KWP-Eklat: Die öffentliche Veranstaltung zur KWP am 11.12.2025 wurde abgesagt - siehe Artikel der Freien Presse, der die Kritik des Chemnitzer Klimabündnisses enthält.
+++ Ursprünglicher Blog "Schildbürgerstreich KWP Chemnitz"
Chemnitz, 3.12.2025, mit redaktionell-inhaltlichem Update vom 23.12.2025/16.02.2026
Das Klimabündnis Chemnitz und Umgebung hat zum Stand der örtlichen Kommunalen Wärmeplanung (KWP) eine Pressemitteilung und ein ausführliches Statement abgegeben.
Bevor wir weiter unten alle aktuellen Fakten teilen, hier unsere satirische Einschätzung der KWP Chemnitz - wir können und wollen uns das nicht verkneifen und sind uns natürlich bewusst, dass manche kein Verständnis für lokalpolitische Satire haben:
Stadt und eins Energie wollen Gaskunden zum Narren halten und ihnen das Märchen vom Heizen mit Wasserstoff aufschwatzen. Das Bild mit der Märchentante fasst satirisch die Kommunale Wärmeplanung in Chemnitz zusammen:

Zurück zum Ernst der Lage:
Folgende Dokumente und Beiträge wurden veröffentlicht, bevor die Veranstaltung der Stadt zur KWP, die am 11.12.2025 im Chemnitzer Tietz stattfinden sollte, abgesagt wurde:
- Brief von Greenpeace an den Chemnitzer OB zur KWP
- Pressemitteilung und ausführliches Statement des Klimabündnisses Chemnitz vom 1.12.2025
- Stadtratsausschuss-Unterlagen 10.12.25 zur KWP
- Ursprünglicher Wärmeplan vom 11.11.2025
- Flyer der Stadt Chemnitz zur KWP
- Kostenfalle Wasserstoff im Heizungskeller (Mitteilung des Klimabündnisses vom 24.3.2024 - hier geht es um die enormen Kostenrisiken des Wasserstoffheizens und die dafür nicht verfügbaren Mengen an Wasserstoff, mit denen Stadt und eins Energie aber rechnen)
- Klimafreundliches Konzept für die Chemnitzer Wärmewende (Mitteilung des Klimabündnisses vom 5.10.2024 - hier geht es speziell um den Teilbereich der Fernwärmeversorgung und der dafür nötigen Energieerzeuger)